„Die Katze lässt das Mausen nicht“

 

Die Phasen des Jagdverhaltens

Spielen mit der Beute

Neurobiologische Grundlagen des Jagdverhaltens

Ökologische Auswirkungen 

Risiken für die Katze 

Risiken für den Halter und Dritte

Warum bringen Katzen manche Beutetiere mit nach Hause?

Management und Therapie von unerwünschtem Jagdverhalten 

 

 

Das Jagdverhalten der Hauskatze ist ein tief in den Genen verankerter, angeborener Instinkt, der von ihrer evolutionären Abstammung von der wilden Falbkatze herrührt. Unabhängig von der Rasse, ob sattgefüttert oder nicht, bleibt der angeborene Trieb zum Jagen bestehen. Kleine Reize, wie ein leises Rascheln, Ultraschalltöne einer Maus oder eine schnelle Bewegung dienen als sogenannte "Schlüsselreize", die die Jagdverhaltenskette augenblicklich auslösen können. Es handelt sich beim Jagdverhalten um ein Appetenzverhalten, das nach regelmäßiger Befriedigung strebt. Die Katze muss nicht erst lernen zu jagen, die Verhaltensabläufe sind bereits von Natur aus vorhanden. Katzen, die keine Gelegenheit haben, diesen Trieb auszuleben, suchen sich Ersatzbeuten oder jagen sogar imaginär, um die innere Spannung abzubauen. Die Jagd ist somit ein unersetzliches Grundbedürfnis, das zur Entspannung und zum Wohlbefinden des Tieres beiträgt. 

Die Phasen des Jagdverhaltens

Die Jagd einer Katze ist keine einzelne Handlung, sondern eine genetisch festgelegte Abfolge verschiedener Sequenzen: 

  • Appetenz: Die Katze folgt dem inneren Drang zur Jagd. Dabei kann es sich um ein Hungergefühl oder der Suche nach dem Belohnungsgefühl, das bereits bei der Auslebung einzelner Jagdsequenzen entsteht, handeln.

 

  • Orientieren: Der Geruchssinn der Katze ist etwa 30 mal stärker ausgeprägt als der des Menschen. Ihre Hörschwelle beginnt bei -10 dB und sie hört Töne im Ultraschallbereich von mehr als 65.000 Hz. Hat sie die Geräuschquelle geortet, fixiert sie diese Richtung mit einem intensiven Blick, bis sie die potenzielle Beute erspäht hat. Die beste Sehschärfe erreicht die Katze zwischen 4 und 6 Metern Abstand zur Beute. Bei Wohnungskatzen kann die Sehschärfe geringer ausgeprägt sein.

 

  • Lauern und Anschleichen: Die Katze begibt sich in eine geduckte Haltung und nähert sich der Beute langsam und lautlos. Dabei nutzt sie jede mögliche Deckung und bewegt ihre Pfoten in Zeitlupe, um die Beute nicht zu erschrecken. Ihr Körper bereitet sich auf den finalen Sprung vor, die Hinterpfoten treten, und die Schwanzspitze zuckt. In dieser Phase kann auch das typische Schnattern auftreten, das auf große Anspannung und die Vorbereitung auf den Tötungsbiss hindeutet. 

 

  • Packen: Sobald die Katze nah genug an ihrer Beute ist, springt sie auf das Beutetier. Mit den Vorderpfoten hält sie es fest. 

 

  • Töten: Während die bisherigen Phasen angeboren sind, muss der gezielte und präzise Tötungsbiss von jungen Katzen erst erlernt werden. Verunsicherte Katzen zeigen in diesem Moment ein halbherziges Spielverhalten und setzen der Beute immer wieder mit Bissen oder Schlägen zu.

 

  • Spazieren, Heimbringen und ggf. Fressen: Nach der Tötung baut die Katze die Jagdspannung ab, indem sie sich putzt oder durch die Gegend spaziert. Dabei trägt sie die Beute oft umher und bringt sie schließlich an einen sicheren Ort innerhalb ihres Territoriums, um sie dort zu verzehren, sicher abzulegen oder den Nachwuchs zu versorgen. 

Spielen mit der Beute

Das Jagdverhalten ist ein Prozess, der über die reine Nahrungsaufnahme hinausgeht. Das „Spielen“ mit der Beute, das von vielen Katzenhaltern beobachtet wird, ist ein zentraler Bestandteil dieses Verhaltens. Es gibt mehrere Theorien, warum Katzen dies tun, und diese Erklärungen schließen sich nicht gegenseitig aus: 

  • Eine Theorie besagt, dass Katzen durch das Spiel ihre Jagdtechniken trainieren und perfektionieren.
  • Das Beutespiel kann auch dazu dienen, wehrhafte Beutetiere wie Ratten zu ermüden, um das eigene Verletzungsrisiko zu minimieren.
  • Das Spielen stellt ein "Erleichterungsspiel" dar, das der Katze hilft, die Anspannung nach der Jagd abzubauen.
  • Es stellt eine Übersprungshandlung dar, wenn die Katze während der Jagdhandlung gestört wurde oder sich der Gefährlichkeit ihrer Beute nicht ganz sicher ist. Auch wenn der Tötungsbiss nicht sicher durchgeführt werden kann, verfallen Katzen in ein ähnliches Verhalten und setzen immer wieder mit Schlägen und Bissen nach.

Die Tatsache, dass das Spiel mit der Beute bei Wildkatzen in freier Natur seltener beobachtet wird als bei Hauskatzen, deutet darauf hin, dass die Domestizierung den Zweck des Verhaltens modifiziert hat. Bei der Hauskatze dient es nicht dem Überleben, sondern primär der Befriedigung eines angeborenen, aber oft unzureichend gestillten Instinkts. Das Herauszögern des Tötungsbisses wird auch als „Retardierung“ bezeichnet (Leyhausen 1979 in Lüps 2003).

Neurobiologische Grundlagen des Jagdverhaltens

Vereinfacht kann man sich die Gründe für das Jagdverhalten folgendermaßen ableiten: Die Jagd wird durch sensorische Reize, sogenannte „Schlüsselreize“, ausgelöst. Diesen Reizen werden, je nach Tierart und entsprechender Veranlagung, im Thalamus („Filter“) eine mehr oder minder wichtige Bedeutung zugewiesen, woraufhin ein Reiz in das Bewusstsein dringt, oder stattdessen ausgefiltert wird. Der Hypothalamus ist für die Regulierung grundlegender Bedürfnisbefriedigung (Hunger, Durst, aber auch Wohlbefinden durch Belohnungseffekte) zuständig. Die Amygdala gilt als Hauptzentrum der Emotionsbildung und löst instinktive und reflexartige Reaktionen aus. Gehemmt wird die Reaktion der Amygdala durch den Präfrontalen Cortex, dessen Einwirkung beispielsweise dann ersichtlich wird, wenn die Katze sich gegen einen Angriff entscheidet – beispielsweise, wenn sie noch während des Anschleichens einen Gegenstand oder ein vermeintliches Beutetier als „nicht jagbar“ einstuft und den Angriff abbricht. Diese Regulation durch den Präfrontalen Cortex erfolgt etwas verspätet zur Erstreaktion der Amygdala. Mithilfe der Augen, Vibrissen und Ohren entstehen visuelle, taktile und auditorische Informationen, welche im Colliculus superior im Mittelhirn verarbeitet werden. Diese Informationen werden auch in Hirnstamm und Rückenmark übermittelt, die Katze verbessert damit stetig ihre Ausrichtung und Handlungsmöglichkeiten zur potenziellen Beute. Beim Angriff sendet der Motorische Kortex Signale über das Rückenmark an die Muskeln, um das Anschleichen, Sprinten und Abspringen zu steuern. Die Formatio reticularis des Hirnstammes steuert dabei u.a. die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit sowie die rythmischen Bewegungsabläufe, beispielsweise beim Sprinten. Alle Jagdsequenzen, ganz besonders jedoch der erfolgreiche Abschluss der Jagd, führen zur Freisetzung von Endorphinen und Dopamin im Gehirn. Dies hat einen Belohnungseffekt auf die Katze und führt durch diese Verstärkung zu einem regelmäßigen Bedürfnis nach weiterem Jagdverhalten.

Effektive therapeutische Maßnahmen müssen alle Phasen imitieren – vom Anschleichen über das Lauern bis hin zum gelungenen Fang – um das Jagdbedürfnis vollständig zu befriedigen. Eine Unterbrechung der Kette, wie sie etwa durch ein Glöckchen geschieht, befriedigt nicht ausreichend den zugrundeliegenden Trieb, was die Katze dazu motivieren kann, weiter zu jagen, bis sie die Handlungskette erfolgreich durchführen konnte. Auch die Verwendung von Laser-Pointern verwehrt den Jagderfolg, was Katzen zunehmend frustriert und zu umgelenkten Aggressionen führen kann.

Das Jagdverhalten von Wildkatzen in freier Natur ist eine nahezu kontinuierliche Aktivität. Sie gehen etwa alle zwei Stunden auf Beutejagd. Bei domestizierten Katzen, die Zugang nach draußen haben, besteht dieses Verhaltensmuster ebenfalls. Für Katzenhalter bedeutet dies, dass es nicht ausreicht, ihre Katze einmal am Tag mit einem Spielzeug zu beschäftigen. Mehrere kurze, jagdsimulierende Einheiten über den Tag verteilt sind weitaus effektiver, um den natürlichen Rhythmus der Katze zu berücksichtigen. 

Ökologische Auswirkungen

Hauskatzen werden global als eine der größten Gefahren für die Artenvielfalt diskutiert. Ihre Dichte ist in vielen von Menschen besiedelten Gebieten unnatürlich hoch, wodurch ihr Einfluss auf lokale Ökosysteme den von einheimischen Raubtieren übersteigt. Bei geschätzten 17 Millionen Katzen (2025) in Deutschland kämen auf einen Quadratkilometer etwa 47 Katzen (Wohnungs- und wildlebende Katzen eingerechnet). In dicht besiedelten Gebieten können viele hundert Katzen pro Quadratkilometer vorkommen. Im Vergleich dazu kommen in naturnahen Gebieten nur 2-6 Waschbären und in städtischen Gebieten ca. 100 Waschbären auf einen Quadratkilometer. Die Internationale Weltnaturschutzunion (IUCN) listet die Hauskatze auf Platz 38 der 100 gefährlichsten invasiven Arten der Welt. In Deutschland töten streunende Hauskatzen jährlich geschätzt mindestens 100 Millionen Vögel und 300 Millionen Kleinsäuger und Reptilien. In einem amerikanischen Artikel des Smithsonian Conservation Biology Institute (SCBI) wurden wildernde Hauskatzen sogar als größte menschengemachte Gefahr für die Artenvielfalt bezeichnet. Allerdings sind solche Informationen mit Vorsicht zu behandeln, da sie aus groben Schätzungen bestehen und besonders von landwirtschaftlichen Interessengruppen (sowie den damit oft verflochtenen Jagdverbänden) verbreitet werden. Insbesondere im Fall der Katze ist es besonders leicht, durch die schwierige Datenerhebung einen Sündenbock für das Artensterben in ihr zu suchen. Die Beute, die die Katzen ihren Haltern nach Hause bringen, stellt mit ca. 10-20% nur einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Jagderfolge dar. Trotzdem gilt nach wie vor der immer kleiner werdende Lebensraum als Hauptursache für das Artensterben. Dennoch ist der hohe Prädationsdruck durch wildernde Hauskatzen nicht zu unterschätzen und liegt weit über dem natürlichen Vorkommen einheimischer Prädatoren. Während einheimische Raubtiere oft durch ihre eigene Population (Territorienverteilung) und das Vorhandensein von ausreichend Beute limitiert sind, wird die Hauskatzenpopulation durch menschliche Faktoren wie wilde Fütterung und mangelnde Fortpflanzungskontrolle künstlich hochgehalten. Um die unkontrollierte Fortpflanzung zu regulieren, fordern Naturschutzorganisationen eine flächendeckende Kastrations- und Registrationspflicht. Die Kastrationspflicht wurde von einigen Gemeinden bereits in die Ordnungsbehördlichen Satzungen aufgenommen, gestützt und ausgeführt auf Grundlage von Katzenschutzsatzungen der Veterinärämter. Eine Kontrolle und Ahndung ist jedoch, mangels regelmäßiger groß angelegten Fangaktionen, Personal und/oder derer fehlenden fachlichen Kenntnis in diesem Bereich, kaum realisierbar. 

Risiken für die Katze

Der unbeaufsichtigte Freigang birgt erhebliche Risiken für das Tier selbst. Die Gefahren reichen von Verkehrsunfällen über Auseinandersetzungen mit anderen Tieren bis hin zu Infektionen durch Parasiten und Krankheiten. Ein oft unterschätztes Risiko ist die Tötung durch Jäger im Rahmen des Jagdschutzes. Nach dem deutschen Bundesjagdgesetz und den jeweiligen Landesgesetzen dürfen Jäger wildernde Hunde und Katzen töten, wenn dies zum Schutz des Wildes erforderlich ist. Eine Katze gilt oft bereits als wildernd, wenn sie sich in einer bestimmten Distanz, in der Regel ab 200 Meter, vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt aufhält. So wurden zwischen April 2023 und März 2024 allein in Schleswig Holstein ca. 2580 Katzen erschossen. Die gesetzliche Grundlage für die Tötung beruht auf dem Schutz von „Wild“ im Sinne des Jagdrechts. Tatsächlich besteht die Beute von Katzen jedoch überwiegend aus Nagern und kleinen Singvögeln, die meist nicht als jagdbares Wild gelten. Fängt die Katze jedoch beispielsweise eine junge Wildtaube oder Hasen, fällt dies wieder unter das Jagdrecht. 

Die Jagd ist eine der häufigsten Ursachen für eine Infektion mit Endoparasiten. Der Verzehr von Nagetieren wie Mäusen und Ratten kann zur Übertragung von Bandwürmern, insbesondere dem Katzenbandwurm (Taenia taeniaeformis) und dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), sowie Spulwürmern (Toxocara cati) führen. Während bei gesunden, erwachsenen Katzen eine Wurminfektion oft ohne Symptome verläuft, können junge oder immungeschwächte Tiere schwere Verdauungsstörungen und Wachstumsverzögerungen entwickeln. Ektoparasiten wie Zecken, Flöhe und Milben können ebenfalls von Beutetieren oder der Umgebung auf die Katze übertragen werden .Diese Parasiten können ihrerseits Krankheiten wie Anaplasmose, Lyme-Borreliose oder den Gurkenkernbandwurm übertragen. Krankheitserreger und Parasiteneier können jedoch auch über kontaminierte Schuhe oder Kleidung in die Wohnung gelangen und eine Infektion bei reinen Wohnungskatzen auslösen. Eine der bekanntesten Krankheiten, die durch das Jagdverhalten übertragen wird, ist die Toxoplasmose. Der Erreger Toxoplasma gondii ist ein weltweit verbreiteter, einzelliger Parasit, dessen Endwirt die Katze ist. Die Katze infiziert sich, indem sie infizierte Beutetiere wie Mäuse und Vögel frisst, die inaktive Parasitenformen, sogenannte Bradyzoiten, in sich tragen. Bei den meisten gesunden, erwachsenen Katzen verläuft eine Toxoplasmose-Infektion ohne schwerwiegende Symptome, kann jedoch bei Kitten, Katzensenioren oder immungeschwächten Tieren schwere Verläufe mit Fieber, Durchfall oder Augenentzündungen hervorrufen. Die Krankheit ist auch eine Zoonose, das heißt, sie kann auf den Menschen übertragen werden. Das Ansteckungsrisiko ist jedoch für den Menschen, der die Katze als Haustier hält, gering. Der Mensch infiziert sich am häufigsten durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch (Mett, Salami, Teewurst …) oder durch den Kontakt mit kontaminierter Gartenerde. 

Risiken für den Halter und Dritte

Freigängerkatzen verursachen immer wieder Auto- und Fahrradunfälle. Grundsätzlich haftet der Tierhalter gemäß §833 BGB für Schäden, die sein Tier verursacht. Einige Katzen nutzen Autokarosserien als Sonnenliege und für Kratzmarkierungen – auch solche Schäden können, bei Zuordenbarkeit der Katze, dem Halter in Haftung gestellt werden (AG Osnabrück, Az. 48 C 172/17). Insbesondere Kitten klettern auch in die Radkästen und in den Motorraum. Desweiteren sind Katzen auch kleinen Haustieren in der Nachbarschaft gegenüber manchmal nicht abgeneigt. Seitens Hühner- und Tauben- und Kaninchenhaltern gibt es regelmäßig Berichte über Hauskatzen, welche ihre Tiere verletzen oder gar töten. Auch Karpfen werden häufig aus Gartenteichen gefischt. Katzen sind in der Lage, Beutetiere bis maximal ihrer eigenen Körpergröße zu überwältigen. In städtischen Vororten gehören wilde Kaninchen und junge Feldhasen sogar manchmal zu den am häufigsten gerissenen Tieren (Castañeda et al. 2019; div. Berichte). Eine Freigängerkatze ist einem unbeaufsichtigt freilaufendem Hund im Schadensfall rechtlich gleichgestellt, auch wenn gesellschaftlich oft andere Annahmen herrschen.

Warum bringen Katzen manche Beutetiere mit nach Hause?

Das Mitbringen von Beute, oft als „Geschenk“ interpretiert, ist ein natürliches und instinktives Verhalten. Mehrere psychologische Erklärungsansätze beleuchten die Motivation hinter diesem Verhalten:  

 

  • Die Katze sucht einen ruhigen Fressplatz und sichert ihre Beute.

 

  • Eine Mutterkatze bringt ihren Kitten lebende oder tote Beutetiere, um sie in der Jagd zu unterrichten.

 

  • Katzen betrachten ihre Menschen als Teil ihrer sozialen Gruppe. Sie bringen die Beute zur Versorgung der Bezugsperson nach Hause, wenn sie selbst ausreichend genährt sind. Dieses Verhalten könnte ein Zeichen von Vertrauen und Zuneigung sein und der Stärkung der sozialen Bindung dienen. Allerdings ist dieser Erklärungsansatz in Hinblick auf die vergleichsweise geringe Domestizierung und wenig ausgeprägte emotionale Abhängigkeit der Katze vom Menschen wenig plausibel.

 

Die Reaktion des Halters auf die mitgebrachte Beute ist entscheidend für die Beziehung zum Tier. Es ist wichtig, die Katze niemals zu bestrafen oder zu schimpfen. Das Tier würde die Bestrafung nicht verstehen, da es rein instinktiv gehandelt hat, dies könnte das Vertrauen in den Menschen unwiderruflich beschädigen. Stattdessen sollte der Halter die Katze für ihr Mitbringsel loben, um die positive soziale Interaktion zu verstärken. Die Beute sollte anschließend sicher und hygienisch entsorgt werden. Sollte das Beutetier noch am Leben sein, sollte nicht versucht werden, das Tier direkt aus dem Maul der Katze zu nehmen, da dies dazu führen kann, dass sie fester zubeißt. Möglicherweise lässt sich die Katze mit einer jagdlichen Alternative (Spiel) oder einem Leckerli zur Herausgabe locken. Schwer verletzte Beutetiere sollten erlöst werden, Beutetiere mit Überlebenschance benötigen bei Bisswunden in der Regel eine Antibiose vom Tierarzt und müssen manchmal mit wenigen Stichen genäht werden. Vögel haben beim Angriff oftmals viele Federn gelassen und sind vorübergehend nicht mehr richtig flugfähig. Viele Opfer benötigen mehrtägig bis mehrwöchig eine Pflegestelle, um sich von den Verletzungen rehabilitieren zu können. 

Management und Therapie von unerwünschtem Jagdverhalten

Das Jagdverhalten von Katzen lässt sich nicht vollständig abstellen, da es ein angeborener Instinkt ist. Jedoch gibt es verschiedene, wissenschaftlich belegte Methoden, um es zu lenken und die Jagd auf Wildtiere zu reduzieren. Der Schlüssel liegt darin, dem Tier alternative Wege zu bieten, seinen Instinkt auszuleben. Die Studie von Cecchetti et al. zeigte jedoch eine entscheidende Nuance: Während die Spieltherapie die Jagd auf Säugetiere effektiv reduzierte, hatte sie keinen signifikanten Einfluss auf die Jagd von Vögeln. Dies legt nahe, dass die Art des Spiels das Verhalten auf bestimmte Beutegruppen kanalisiert. Zum Schutz von Vögeln bieten sich dagegen andere Maßnahmen an.

  • Zeitliche Beschränkung des Freigangs: Katzen jagen am effektivsten in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn Vögel und Kleinsäuger besonders aktiv sind. Indem man der Katze in diesen Zeiten den Freigang verwehrt, lässt sich die Zahl der erbeuteten Tiere deutlich senken. Erfahrungsgemäß ruhen Katzen mittags und nachmittags mehr, sodass der Aufenthalt im Freien in diese Zeit gelegt werden kann. Dies reduziert auch das Unfallrisiko.

 

  • Ein ausbruchsicherer Garten oder eingezäunter Freilauf schützt Katzen, Wildtiere und vor Schäden Dritter. Am effektivsten ist die Montage eines Überkletterschutzes am Gartenzaun, der auch kostengünstig selbst hergestellt werden kann. Wird der Bereich zusätzlich katzenfreundlich gestaltet, stellt dies eine sehr gute und sichere Alternative zum unkontrollierbaren Freigang dar.

 

  • Spieltherapie:  Das Spiel ist die effektivste Methode, um den Jagdinstinkt zu kanalisieren. Bereits 5 bis 10 Minuten gezieltes Spiel täglich, das die Jagdsequenz imitiert, kann bereits die Zahl der erbeuteten Tiere um bis zu 25 Prozent reduzieren. Die Spieltherapie hilft der Katze, ihre Jagdenergie auszuleben und befriedigt ihr Appetenzverhalten. Dabei sollten folgende Regeln beachtet werden:

*Imitation der Beute: Das Spielzeug sollte natürliche Beute in Größe (Maus, Libelle) und Bewegung nachahmen. Hohe Töne wirken motivierend, raschelnde Geräusche fördern das Erkundungsverhalten.

*Richtung der Bewegung: Die "Beute" sollte sich immer von der Katze wegbewegen, niemals auf sie zu. Dies imitiert das Fluchtverhalten echter Beutetiere und beugt Verwirrung oder Angst vor. 

* Regelmäßigkeit: Besser sind mehrere kurze Spieleinheiten pro Tag als eine lange, da dies dem natürlichen Jagdrhythmus der Katze mehr entspricht. 

* Einbeziehung anderer Jagdsequenzen: Das Spiel sollte nicht nur aus dem Fangen bestehen, sondern auch das Anpirschen und Verstecken ermöglichen.

 

  • Spezielle Halsbänder: Farbige Halsbänder (z.B. Birdsbesafe) oder Halsbänder mit Glöckchen können die Jagd deutlich erschweren. Es gibt auch kombinierte Halsbänder. Eine Studie der Royal Society for the Protection of Birds ergab, dass Katzen mit einem Glöckchen 41 Prozent weniger Vögel und 34 Prozent weniger Säugetiere fangen. Eine Schweizer Studie bestätigte, dass insbesondere bunte Halsbänder und Glöckchen den Jagderfolg um bis zu 60 Prozent reduzieren können. Allerdings schützen diese Halsbänder keine Ästlinge und Küken und auch die Farbe ist bei nächtlichen Streifzügen nicht zu sehen. Wichtig für die Katze ist die Verwendung von Sicherheitsverschlüssen, die sich bei Hängenbleiben lösen, um Strangulierungen zu verhindern. Ein potenzieller Nachteil von Glöckchen ist jedoch, dass das konstante Klingeln für die sensiblen Katzenohren störend werden kann, dies muss im Einzelfall erprobt werden. Desweiteren kann, wie oben bereits genannt, durch den ausbleibenden Jagderfolg das Appetenzverhalten nicht vollumfänglich befriedigt werden, weshalb mit zusätzlichen Jagdspielen Alternativen geboten werden sollten. 

 

  • Fütterungsstrategien Die Ernährung der Katze spielt eine überraschend große Rolle bei der Reduzierung des Jagdtriebs. Eine Studie von Cecchetti et al. (2021) zeigte, dass Katzen, die ausschließlich ein besonders fleischhaltiges, getreidefreies Futter erhielten, deutlich weniger Beute mit nach Hause brachten. Die Zahl der erbeuteten Säugetiere sank um 33 Prozent und die der Vögel sogar um 44 Prozent. Die Forscher vermuten, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen den Jagdtrieb stimulieren könnte. Durch eine gezielte Fütterung mit hochwertigen, bioverfügbaren Proteinen kann dieser Mangel behoben und das Bedürfnis nach zusätzlicher Beute reduziert werden. Getreideanteile fungieren dagegen als Füllstoff, den die Katze nicht benötigt und der unnötig Kalorien mit sich bringt. Futter kann im Wohnbereich der Katze auch versteckt werden, um die Katze kognitiv zu fordern und für einige Zeit zu beschäftigen.

 

 

Fazit

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Jagdverhalten von Hauskatzen ist unerlässlich, um das harmonische Zusammenleben von Mensch, Katze und Wildtieren nachhaltig zu sichern. Eine Bestrafung der Katze ist kontraproduktiv und schädlich für die Beziehung. Stattdessen sind proaktive und präventive Maßnahmen geboten. Ein ganzheitlicher Ansatz, der die Fütterung optimiert, dem Tier durch gezieltes Spiel eine Befriedigung seines Jagdinstinkts ermöglicht und den Freigang durch einfache, aber effektive Maßnahmen sichert, ist der vielversprechendste Weg.

Quellen

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- Tuner, D.(2010) Turners Katzenbuch. Wie Katzen sind, was Katzen wollen. Stuttgart: Kosmos

(ILS Verhaltensberatung Katze) – Primärquellen: 

- Dexel, B. (2014) Clickertraining für Katzen. Stuttgart: Kosmos

- Dbaly, H. (2008) Das Spielebuch für Katzen. Schwarzenbek: Cadmos

- Jones, R. (2012) Unsauberkeit bei Katzen, Ursachen verstehen, vorbeugen und helfen. Stuttgart: Kosmos

- Schneider, B. (2011) Verhaltensmedizin und – therapie bei Hund und Katze. München: Elsevier Urban & Fischer

-Schroll, S. (2009) Verhaltensmedizin bei der Katze. Stuttgart: Enke

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NABU, L. Lachmann: Bedroht die Hauskatze die Artenvielfalt? https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/gefaehrdungen/katzen/15537.html

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Dr. H. Pankatz: Parasiten bei Katzen - lästige Plagegeister und gefährliche Krankheitsüberträger  https://www.medizinfuchs.de/ratgeber/parasiten-bei-katzen-laestige-plagegeister-und-gefaehrliche-krankheitsuebertraeger

Wiener Umweltanwaltschaft: Hauskatze auf der Jagd - Empfehlungen zum Schutz der Wildtiere (03/2021) https://wua-wien.at/tierschutz/amphibien2/2288-hauskatze-auf-der-jagd-empehlungen

Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutz e.V. : Tötung von Haustieren im Rahmen des Jagdschutzes https://djgt.de/wp-content/uploads/2021/04/20210413_Toetung-von-Haustieren-im-Rahmen-des-Jagdschutzes.pdf

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AGILA – Das Jagdverhalten der Katze https://www.agila.de/agila-magazin/1722-das-jagdverhalten-der-katze

ZOOROYAL – Jagdverhalten von Katzen https://www.zooroyal.de/magazin/katzen/jagdverhalten-von-katzen/

Zheng-Dong Zhao et. al (2023): Neurocircuitry of Predatory Hunting    https://link.springer.com/article/10.1007/s12264-022-01018-1

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